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Hier geht es um Grundsätzliches im (pflegerischen und therapeutischen) Kontakt mit traumatisierten Patienten, wie sie unter “Borderlinern” häufig und unter DIS-Patienten (Multiplen) immer zu finden sind. Um Bedingungen, die es mit sich bringt, wenn man sich auf die Arbeit mit diesen Menschen einlässt, um typische Fehler, die uns immer wieder passieren und Fallen, in die wir immer wieder treffsicher hineintreten.
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Pflegerische Arbeits-Bedingungen
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Bewusst machen über den Zeitrahmen:
Wie lange dauert der Aufenthalt (oder die ambulante Betreuung), was können und wollen wir zusammen erreichen, was ist unrealistisch. Gib es Unterbrechungen in dieser Zeit (Urlaub, Nachtwachen-Freizeitausgleich) und wie gehen wir damit um? Gibt es sinnvolle Kontaktmöglichkeiten nach der gemeinsamen Arbeit oder ist ein klares Ende der Arbeitsbeziehung sinnvoller?
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Respektvoller “Arbeitsvertrag”:
Es geht nicht um ein hierarchisches Arbeitsbündnis wissende Pflege contra lernbedürftige(r) PatientIn. Die Patientin ist als Auftraggeber der Chef, und wir sind die professionellen Serviceanbieter. Es geht um gegenseitigen Respekt und um einen auszuhandelnden “Arbeitsvertrag”.
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Die Patientin ist ihre eigene Expertin:
Es geht - wie so oft in der psychiatrischen Pflege - darum, dass die Patientin ihre eigenen Lösungen findet. Sie trägt (auch nach Meinung der Gedächtnisforscher) die Lösungen für ihre Problem in sich. Dass heißt, dass es darum gehen muss, sich gemeinsam mit der Patientin auf die Suche nach ihren Lösungen zu machen.
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Empathie:
Es geht um das Mitemfinden, um die “Schwingungsfähigkeit” des Pflegenden und um Feinfühligkeit. Dies ist zwingend notwendig für den Aufbau einer zuverlässigen und sicheren professionellen Arbeitsbeziehung. Ohne diese Fähigkeiten sollten Sie nicht mit traumatisierten Menschen arbeiten.
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Abstand:
Eine gewisse Distanz ist nötig, um die Arbeitsbeziehung von außen betrachten zu können und Täter - Opfer - Retter - Spaltungen rechtzeitig zu erkennen. Konkret wird die traumatisierte Patientin nicht mit nach Hause genommen, es wird nicht mit ihr in Urlaub gefahren, es wird nicht ihre Arbeitskraft zu Hause benötigt, man wird nicht gemeinsam Alkohol trinken, Cannabis rauchen oder erotische Wünsche ausleben. Allerdings sind die Impulse dazu auf pflegerische Seite normal; es geht also darum, sie wahrzunehmen und in die professionelle Beziehungsgestaltung einzubeziehen.
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Kongruenz und Akzeptanz:
Kongruenz meint, dass der Therapeut (hier: der pflegerische Therapeut) stets er selbst ist, also keine irgendwie therapeutische Fassade aufbaut, sondern durch und durch echt, also authentisch ist. Akzeptanz meint die an keine Bedingungen gebundene wertfreie Annahme des Patienten. Es bedeutet aber auch nicht gutheißen (z. B. von Täteranteilen), denn dass wäre ja wiederum eine (in diesem Falle positive) Bewertung. Ein Stück weit ist es das, was wir meinen, wenn wir sagen, dass wir den Patienten da abholen, wo er steht.
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Eigene Veränderungen bei der Arbeit mit traumatisierten Menschen:
Die Arbeit mit traumatisierten Menschen ist eine intensive und sie findet an Grenzbereichen und mit Extremen statt. Das fordert beide Seiten (Pflege/Therapeut und PatientIn) deutlich heraus und bedingt zwangsweise eine stetige Auseinandersetzung mit der Therapie und Pflege, also eine kontinuierliche Selbstreflexion auch außerhalb der Supervision. Wenn man aber ständig reflektiert in Grenzbereichen arbeitet wird man sich zwangsweise verändern (müssen).
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Pflegeperson mit Modellverhalten:
Das Verhalten der (Bezugs-)Pflegeperson hat immer Vorbildcharakter. Wir gelten als normal und stabil und schreiben uns Wissen darüber auf unsere Fahne. Daher wird man sich zurecht an unserem Verhalten orientieren und uns auch daran messen. Wir werden also respektvoll mit der Patientin und mit uns selber umgehen sowie vor allem ein verlässlicher und tragender Beziehungspartner sein mit dem Fernziel, uns selbst überflüssig zu machen, also die Selbständigkeit und Unabhängigkeit (auch von uns) der Patientin fördern.
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Unterschiede in der Plegekraft - Patient - Beziehung:
Es gibt eine Menge an Lebensumständen, in denen wir grundverschieden zu PatientInnen sein können. Das fängt beim Geschlecht an, geht über kulturelle, mentale und religiöse Unterschiede, über ganz unterschiedliche Sozialisationen und nicht zuletzt über die Arbeits- und Beziehungsfähigkeit sowie über das Stigma gesund und krank. Diese Unterschiede sind in Ordnung, müssen aber manchmal im reflektierten Handeln berücksichtigt werden. Pflegekraft und PatientIn sind nicht gleich - und das ist ok so.
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Netzwerkorientiertes Arbeiten:
Es ist für eine ganzheitliche Wahrnehmung erforderlich, dass sich alle Hilfen und Therapie Beteiligten miteinander austauschen. So wird in der Regel der Großteil einer Therapie bei traumatisierten Menschen ambulant stattfinden, aber es wird auch zu Krisen- oder einfach auch mal Entlastungsaufnahmen in den stationären Bereich kommen. Der Austausch zwischen den Behandlern und allen Beteiligten ist wichtig, um alte Beziehungsfallen möglichst zu umgehen, um am status quo der Therapie möglichst reibungslos weiterzumachen und um einen guten Informationsfluss zu haben bzw. zu gewährleisten. Dass dabei in der Regel auch verschiedene Berufsgruppen aus ihren unterschiedlichen Blickwinkeln auf die Gesamtsituation schauen, verbessert die Gesamtwahrnehmung nochmal erheblich.
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Unterstützung im sozialen Umfeld:
Es sind nicht selten gerade die Menschen, denen man unterstellt, dass sie vertrauenswürdig sind, welche Traumatisierungen verursachen oder unterstützen / aufrechterhalten. Auch das Prinzip, dass unreflektierte Traumasituationen wiederholt werden müssen von den Betroffenen und sie deshalb unbewusst gezielt Täter als Partner auswählen bzw. dass sie sich nicht von den alten Tätern (Vater, Onkel, Bruder, Mutter) trennen, macht die Arbeit sehr schwer. Der Aufbau eines hilfreichen nicht-traumatisierenden Umfeldes mit unterstützenden “Nicht-Täter-Partnern”, tragenden Freundschaften und die Distanz zu Tätern (auch innerhalb der Familie) spielen hier eine wichtige Rolle.
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Stabilisieren der weiteren Traumatisierung:
Die pflegerische Begleitung traumatisierter Menschen darf nicht der Stabilisierung eines immer noch stattfindenden Missbrauchs dienen. Sollte also Täterkontakt oder täterähnlicher Kontakt (z. B. Sadomaso-Beziehungen) über Monate weiter bestehen (z. B. über mehrere stationäre Aufnahmen), sollte die Behandlung im Interesse der Täter liegen, um sie wieder “für den Missbrauch benutzbar” zu machen, sollten wichtige Behandlugsschritte (Med.-Einnahme, Umgang mit Suizidalität, Distanz zu Tätern) nicht mitgemacht werden, wesentliche Informationen zurückgehalten werden, sollte die Patientin als aggressives Opfer auftreten (“die Gesellschaft ist schuld, jetzt versorgt mich auch”) u. ä. muss über diese Störungen geredet und verhandelt werden. Können die Gründe hierfür benannt und bearbeitet werden, kann es weiter gehen. Hilfreich kann das Setzen einer Frist (z. B. 3 Monate, bis zum nächsten Aufenthalt o. ä.) sein. Sind sie nicht konstruktiv zu lösen, kann dies ein Beenden der Arbeitsbeziehung sinnvollerweise bedeuten. Dabei sollten auf jeden Fall die Bedingungen für eine mögliche Weiterarbeit geklärt werden.
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Gefährdung zuerst:
Suizidalität, Opfer von Misshandlungen zu sein, selber andere (z. B. eigene Kinder) weiter zu misshandeln sowie Todesdrohungen haben erste Priorität im Kontakt. Entsprechende Vorgehensweisen sollten möglichst früh besprochen werden (z. B. stationäre Aufnahme, Ausgangsverbot, Entlassung, Verlegung auf eine geschlossene Abteilung usw.).
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Selbstverständlichkeiten:
Nicht jede(r) ist geut geeignet für die Begleitung traumatisierter Patienten. Zumindest braucht es persönliche Reife, Lebens- und Berufserfahrung, eine stabile Persönlichkeit und besondere Sensibilität, Fort- und Weiterbildungen sowie Supervision(serfahrung).
Nicht jede traumatisierte Patientin ist für eine Traumatherapie geeignet.
Stationär bedeutet die Arbeit mit traumatisierten Menschen viel Personal und ein klares gutes Konzept, das regelmäßig (1x / Jahr) überarbeitet wird.
Es muss zwischen der Betreuung von Monotrauma und komplexen und/oder frühen Traumata unterschieden werden.
Regelmäßige Supervision
Trauma - Patienten sollten Ihre Behandler / Ihre Bezugspflegepersonen wählen können
Intensiver Austausch zwischen ambulanten und stationären Behandlern und Betreuern
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Beziehungsfallen
Z. B. als Abwehr von Veränderung
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Allgemeines:
Manchmal ist der Kontakt zu einer Therapeutin oder auch zu einer Bezugspflegeperson der erste längere nicht-misshandlungsgeprägte Kontakt im Leben der Patientin. Es kann zum Teil Jahre dauern, bis eine früh traumatisierte Patientin uns zumindest manchmal vertraut.
Vor lauter Helfen dürfen wir nicht übersehen, dass auch die Patientin Täteranteile haben kann und oft auch hat. So sind z. B. nachts weinende oder länger kranke hilflose Kinder bei vielen oft “der Trigger” schlechthin, bei denen Täteranteile der Persönlichkeit wieder zu Tätern werden können, und sei es aus Verzweiflung und Überforderung. Dann gilt es nicht nur das Opfer Patientin zu schützen, sondern auch die “Opfer des Opfers”.
Die aktuell schädlichen Handlungs- und Denkweisen der Patientin waren oftmals nötig um in unaushaltbaren Situationen zu überleben. Es geht also immer nicht nur um Trauma-Integration sondern auch um den Erwerb neuer Bewältigungsstrategien und Handlungsmuster.
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Konkret:
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auf der Seite der Patientin:
Die Patientin wird die Not haben, uns unter Kontrolle zu bekommen oder uns zu beweisen, dass alles keinen Sinn hat. Dazu werden häufig folgende Beziehungsfallen “aufgestellt”:
Idealisieren: Nur Sie können mir helfen
Erpressen: Das ist meine letze Hoffnung; wenn das bis X nicht hilft, werde ich mich töten
Entwerten: Schwester X versteht mich viel besser als Sie
Unterwerfung: Patientin verhält sich nach dem Motto “Du kannst alles mit mir machen”, flirtet, bietet sich an usw.
Spiess umdrehen: Sich nach dem Befinden des Pflegers feinfühlig erkundigen
Belehrendes Verhalten
“Aggressives Opfer”: Die Gesellschaft ist schuld und muss was für mich tun => Ablehnenvon Eigenverantwortung
Selbstentwertung: Ich habe es nicht besser verdient (als immer wieder misshandelt zu werden), Ich bin selbst schuld.
Rückfälle: Immer dann, wenn man glaubt, es geht voran, um Hoffnungslosigkeit zu demonstrieren
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Konkret:
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auf der Seite des Pflegepersonals:
Kurzfristige Erfolge erzwingen wollen
Entwertende Deutungen, Kommentare, Diagnosen, Pflegeberichte
Private Nähe: Kaffee trinken, anfreunden, zu kleinen Tätigkeiten heranziehen (Hausputz), sexuelle Beziehungen
Wenn mit ihr über unsere privaten Sorgen und Nöte sprechen
Wenn wir Selbständigkeit verhindern statt fördern, wichtige Dinge für Sie erledigen, Geld leihen, mit dem Partner der Patientin Krisengespräche führen usw.
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