Multiple Persönlichkeiten

bzw.

Dissoziative Identitätsstörung

Das Störungsbild der dissoziativen Identitätsstörung ist teilweise noch (zu unrecht) umstritten und in seiner Komplexität sehr umfassend..

Daher kann ich auf meiner Seite nur ein paar Anmerkungen dazu machen

Multiple Persönlichkeiten im europäischen Diagnoseschlüssel (ICD 10)

Zitat: ”F44.81 multiple Persönlichkeitsstörung (MPS): Diese Störung ist selten, und es wird kontrovers diskutiert, in welchem Ausmaß sie iatrogen ( = ärztlich verursacht) oder kulturspezifisch ist. Das  grundlegende Merkmal ist das offensichtliche Vorhandensein von  zwei oder mehr verschiedenen Persönlichkeiten bei einem Individuum. Dabei ist zu einem Zeitpunkt jeweils nur eine sichtbar.  Jede Persönlichkeit ist vollständig, mit ihren eigenen Erinnerungen,  Verhaltensweisen und Vorlieben. Diese können in deutlichem  Kontrast zu der prämorbiden Persönlichkeit stehen.  Bei der häufigsten Form mit zwei Persönlichkeiten ist meist eine von beiden dominant, keine hat Zugang zu den Erinnerungen der  anderen, und die eine ist sich der Existenz der anderen fast niemals bewusst. Der Wechsel von der einen Persönlichkeit zur anderen  vollzieht sich beim ersten Mal gewöhnlich plötzlich und ist eng mit traumatischen Erlebnissen verbunden. Spätere Wechsel sind oft  begrenzt auf dramatische oder belastende Ereignisse oder treten in  Therapiesitzungen auf, in denen der Therapeut Hypnose oder  Techniken zur Entspannung oder zum Abreagieren anwendet.” (Zitat Ende)

Multiple Persönlichkeiten im amerikanischen Diagnoseschlüssel (DSM IV)

Zitat: “300.14: Dissoziative Identitätsstörung (DIS):

A. Die Anwesenheit von zwei oder mehr unterscheidbaren Identitäten oder Persönlichkeitszuständen (jeweils mit einem eigenen, relativ überdauernden Muster der Wahrnehmung von, der Beziehung zur und dem Denken über die Umgebung und das Selbst).

B. Mindestens zwei dieser Identitäten oder Persönlichkeitszustände übernehmen wiederholt die Kontrolle über das Verhalten der Person.

C. Eine Unfähigkeit, sich an wichtige persönliche Informationen zu erinnern, die zu umfassend ist, um durch gewöhnliche Vergesslichkeit erklärt zu werden.

D. Die Störung geht nicht auf die direkte körperliche Wirkung einer Substanz (z.B. blackouts oder ungeordnetes Verhalten während einer Alkoholintoxikation) oder eines medizinischen Krankheitsfaktors zurück (z. B. komplex-partielle Anfälle).

Beachte:Bei Kindern sind die Symptome nicht durch imaginierte Spielkameraden oder andere Phantasiespiele zu erklären”

(Zitat Ende)

Was es nicht ist

Es handelt sich bei der DIS um keine Persönlichkeitsstörung

(Reddemann et al.: Psychotherapie der Dissoziativen Störungen, S 5)

Die Kriterien des DSM IV treffen nach meiner Einschätzung das klinische Bild dieser Patienten deutlich besser. Auch konnte ich anders als der ICD 10 Wechsel der Persönlichkeitszustände auch ohne belastende oder dramatische Ereignisse beobachten. Ferner lässt sich die Aussage des ICD 10, es handele sich um jeweils vollständige Persönlichkeiten heute nicht mehr aufrecht erhalten (s. a. Begriffe und Symptome).

Klinische Prävalenz

“Die Häufigkeit der Dissoziativen Identitätsstörung auf allgemeinpsychiatrischen Stationen wird zwischen 0.5 - 4 % angenommen.” (aus: Reddeman et al., Psychotherapie der disoziativen Störungen, S. 40)

Häufigkeit in der Normalbevölkerung

Die Häufigkeit der Dissoziativen Identitätsstörung in der  Normalbevölkerung wird zwischen 0.5 bis 2.5% angegeben.

Quellen: http://www.seminare-ps.net/Trauma/Workshop2__Dissoziation_Roland_Stettler.pps und

www.uni-saarland.de/fak5/krause/hannies.ppt